Symbolfoto Trauer/Mobbing: Pascal Höfig
Symbolfoto Trauer/Mobbing: Pascal Höfig

Mobbing – wenn aus Spaß Ernst wird

Auch wenn man es kaum glauben kann, Mobbing ist immer noch ein aktuelles Thema, vor allem an Schulen. Gerade ging das Thema wieder groß durch die Medien, nachdem ein kleines Mädchen in England in der Grundschule so stark gemobbt wurde, dass sie ins Krankenhaus musste. Bis zu 20 Mal in der Stunde soll das Mädchen sich übergeben haben – eine Folge von psychischem Missbrauch ihrer Schulkollegin.

Wir haben uns mit einem ehemaligen Opfer über seine Geschichte unterhalten. Die Passauerin wollte dabei anonym bleiben.

Warum glaubst Du, bist Du Opfer geworden?

„Ich denke, dass es daran lag, dass ich in der Schule ein ziemlicher Streber war. Jeder Lehrer mochte mich, ich hab immer fleißig mitgearbeitet und war auf jede Stunde vorbereitet. Selbst, wenn ich mal nicht allzu viel gelernt hatte, eine schlechte Note habe ich nie wirklich bekommen. Das kann schon zum Konfliktpotenzial werden, vor allem, wenn man trotz lernen keine besonders erfolgreiche Schulzeit hatte…“

Was musstest Du durchmachen?

„Es fing eigentlich alles ganz harmlos in der 5. Klasse an: ich wurde beleidigt, man hat versucht, mir Spicker unterzuschieben, damit ich auch mal eine schlechte Note bekomme, etc. Ein Jahr später wurde mir über soziale Netzwerke der Tod gewunschen, was zwar hart war, aber bei dem blieb es nicht. Mit der Zeit wurde es immer körperlicher, man hat versucht, mich die Treppe runter oder vor Autos zu schubsen und mir im Sportunterricht absichtlich wehgetan oder mir auch beim Laufen auf der Tartanbahn den Fuß gestellt, sodass ich komplett aufgeschürft und blutig war.“

Wie hat sich das damals auf Dich ausgewirkt?

„Ich habe in diesen 5 Jahren niemandem etwas erzählt, weder Eltern noch Freunden… Ich habe immer mehr Hass auf mich selbst entwickelt, war der festen Überzeugung, dass ich an dem Ganzen selbst Schuld war. Das ging soweit, dass ich mich von meiner Familie isoliert habe, den ganzen Tag nur am heulen war, mich selbst mit einer Rasierklinge verletzt habe und von Selbstmordgedanken geplagt war. Lachen konnte ich definitiv nicht mehr! „

Wie hast Du dem ganzen ein Ende gesetzt?

„Das Ende habe ich nicht direkt herbeigeführt. Eine Lehrerin hat damals mitbekommen, dass es mir richtig schlecht geht und nach mehrmaligem Nachfragen ihrerseits habe ich ausgepackt. Sie hat sich dann sehr für mich eingesetzt und mir damit extrem geholfen. Ich hatte dann noch einen Termin beim Schulpsychologen und habe die Klasse gewechselt. Seitdem hatte ich meine Ruhe!“

Wie fühlst Du dich heute?

„Diese Erfahrung hat mich sehr geprägt. Ich war als Kind gezwungen, schnell erwachsen zu werden, um mit solchen Problemen umgehen zu können. Ich war dann im Nachhinein auch immer vernünftiger als mein Freundeskreis, was aber auch irgendwie ein komisches Gefühl war. Heute habe ich ein noch größeres Selbstbewusstsein als früher und lasse mich nicht mehr unterkriegen. Ich habe ja am eigenen Leib erlebt was „What doesn’t kill you makes you stronger“ bedeutet“

Auf der Webseite der Stadt Passau gibt es ein umfangreiches Netz an Hilfe- und Beratungsstellen für Mobbing und vieles mehr. Holt Euch Hilfe und Beratung!

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