Symbolfoto Dackel: Wolf Ernst
Symbolfoto Dackel: Wolf Ernst

Gastbeitrag: Der Dackelhype – Was soll das?

Ein Gastbeitrag einer Tierliebhaberin über den Dackelhype. 

Alles begann mit einer Pressemeldung zur baldigen Eröffnung des Dackelmuseums. Dass daraus ein weltweiter Hype entstehen würde, konnte keiner ahnen. Selbst in die New York Times haben es die etwas zu lange geratenen Vierbeiner geschafft. Nun ist das Museum eröffnet und die Aufregung und das Museum etwas abgeebbt. Pünktlich zur WM kam die nächste Sache: Das Dackel-Orakel. Und ich frage mich: Was soll das Ganze?

Der erste Hype

Wie aus dem Nichts schien er zu kommen, dieser Hype um das Dackelmuseum, aber irgendwo müssen ja seine Wurzeln liegen. Der Dackel ist ein Rassehund und gehört zu der Gruppe der Dachshunde und kann bis zu ca. 9 kg schwer werden. Ursprünglich wurde der Dackel zur Jagd gezüchtet, heute ist er allerdings ebenfalls ein beliebtes Haustier geworden.

Das Orakel

Nach Kraken-Orakel Paul sollten nun die beiden Dackel Moni und Seppi von den Besitzen des Dackelmuseums ihre Tipps abgeben. Dabei darf immer einer von beiden eine Minute lang auf dem dafür aufgebauten Miniatur Fußballfeld  hin und her laufen. In jedem der Tore befindet sich eine Schüssel mit Futter. Sobald das „Orakel“ daraus frisst, bedeutet das ein Tor für die jeweilige Mannschaft.

Was soll das?

Wenn es um diese außergewöhnlich langen Vierbeiner geht, gehen die Meinungen stark auseinander. Manche sind irritiert und verstehen nicht, was diese ganze Aufregung soll. Es stellt sich die Frage, was denn nun so besonders an dem kleinen Vierbeiner ist. Besonders intelligent scheint er nun nicht zu sein, denn laut der SZ ist er bei einem amerikanischen Ranking der intelligentesten Rassehunde nur auf Platz 94 von 141 gekommen.

Andere jedoch sind hellauf begeistert von dem kleinen Hund. Besonders an dem Dackel sei sein Charakter, erklärte Oliver Sturz, Gründer des Dackelmuseums, der „Welt“. Seine Sturheit aber auch seine Strebsamkeit und Treue verbinde ihn mit dem Bayer.

Ein Symbol für Deutschland

1972 war der Dackel Waldi sogar das Maskottchen der Olympischen Sommerspiele, als diese in München stattfanden. Der Dackel ist außerdem der Hund, der am häufigsten mit Deutschland und besonders mit Bayern assoziiert wird. Das typischste Bild, das die restlichen Welt von Deutschland hat, scheint ein bierbäuchiger Mann mit Tracht, Bier, Würstchen sowie einem Dackel an seiner Seite zu sein.

Der Wahn um die Reinrassigkeit

Es gibt allerdings ein großes Problem beim Dackel, und das nennt sich Rassenstandard. Um den zu erreichen, müssen Hunde wie Dackel separat von Experten gezüchtet werden, um die signifikante Form der jeweiligen Rasse zu erhalten. Für die Züchtung gibt es sogar Vorgaben, denn die Fédération Cynologique Internationale, kurz FCI achtet streng darauf, welche Hunde zum Beispiel noch als Dackel gelten und welche nicht mehr. So werden weiße Dackel grundsätzlich vom FCI ausgeschlossen.

Dies führt zu zwei weiteren, schwerwiegenden Problemen: Erstens deformieren die Rassehunde immer mehr und es kann zu gesundheitlichen Schäden kommen. So leiden Dackel zum Beispiel vermehrt an Bandscheibenvorfällen. Zweitens werden die Welpen, die durch den Rassenstandard fallen, oftmals einfach ohne kurzen Prozess „beseitigt“.

Das Problem der Tierheime

Ein Rassehund ist teuer und viele lassen ihn sich sogar noch teurer aus dem Ausland einfliegen. Tierheime sind allerdings voller Hunde, die kein Zuhause haben. Diese Hunde sind aber meistens keine Rassehunde oder entsprechen nicht der Rassennorm. Dass das Aussehen der Vierbeiner ein absolutes Ausschlusskriterium für Hundehalter ist, ist für mich unbegreiflich.

Natürlich ist diese ganze Misere nicht die Schuld der Dackel oder jeglicher anderer Rassehunde an sich. Es liegt vielmehr an den Menschen, die sich für einen extra und teuer gezüchteten, genetisch deformierten Welpen entscheiden, als für einen Hund aus dem Tierheim. Dackel sind toll und ja, irgendwie ist der Hype auch verständlich – sie sind wundervolle Tiere. Aber vielleicht hat auch der eine oder andere Lust, sich statt einen teuren Rassehund, die Vierbeiner im Tierheim anzuschauen und einem davon ein Zuhause zu geben.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@passau-erleben.de.

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